Wir lieben Unternehmen, die etwas anders machen. Die sich aktiv damit beschäftigen, wie alle Beteiligten profitieren können: Mitarbeiter, Kunden, Lieferanten und natürlich auch das Unternehmen selbst.

Im folgenden Beitrag stellen wir Ihnen fünf Unternehmen vor, die uns begeistern. Das heißt natürlich nicht, dass diese Unternehmen alles »richtig« machen. Zum einen ist »richtig« nicht eindeutig zu definieren. Zum anderen ist es gar nicht so einfach, viele verschiedene Interessen unter einen Hut zu bringen. Selbst wenn man die besten Absichten hat. Aber diese Unternehmen machen einen Unterschied in der Welt, und deshalb wollen wir sie Ihnen vorstellen.

Business-Check gefällig?

Einige der Unternehmen sind uns über die Jahre immer wieder begegnet; andere haben wir auf der Website der B Corporation gefunden, einer Organisation, die Unternehmen nach Kriterien wie soziale Standards, Umweltschutz, Transparenz und Nachhaltigkeit evaluiert und auszeichnet. Schauen Sie dort vorbei, sehr inspirierend! Und vielleicht lassen Sie Ihr Unternehmen auch einmal checken, es ist den Schritt wert. Einen ähnlichen Ansatz verfolgt die GWÖ mit ihrer Vision einer Wirtschaft, die sich am Gemeinwohl orientiert. Unter balance.ecogood.org finden Sie die Berichte zu getesteten Unternehmen.

Patagonia: Minimalismus als Unternehmensmaxime

Branche: Outdoor-Bekleidung und -Ausrüstung

Website:
www.patagonia.com

Patagonia produziert Outdoor-Kleidung und -Zubehör. Als Hersteller von Produkten für den Aufenthalt in der Natur hat Patagonia sich ganz dem Erhalt einer intakten Umwelt verschrieben. Das Unternehmen beschreibt seine Mission so: »Das beste Produkt herstellen, kein unnötiges Leid verursachen, Unternehmertum nutzen, um zu inspirieren und Lösungen gegen die Zerstörung der Umwelt zu entwickeln.«

Die Anfänge als eine kleine Gruppe von Bergsteigern und Surfern, die Zubehör für Bergsteiger produzierten, spiegeln sich noch heute in der Unternehmenskultur und den Produkten wider: Minimalismus, Einfachheit und Nützlichkeit sind die wichtigsten Faktoren bei Patagonia. Mit diesen Mitteln kämpft das Unternehmen für den Schutz der Natur, in welcher sich die Gründer, Mitarbeiter und Kunden so gerne aufhalten. Mindestens ein Prozent der Umsätze wird an Organisationen gespendet, die sich dieser Mission verschrieben haben. Dabei ist sich Patagonia bewusst, dass die Produktion von Kleidung und Ausrüstung generell einen negativen Effekt auf die Umwelt hat. Diesen versucht man permanent zu verringern; zum Beispiel durch den Einsatz von recyceltem Polyester und Bio-Baumwolle. Perfekter Ausdruck dieser Einstellung ist für mich die seit 2013 regelmäßig stattfindende Aktion »Worn Wear«: Zuletzt im Herbst 2017 tourte ein Team durch verschiedene Städte in Europa und veranstaltete Camps, wo die Besucher defekte Outdoor-Kleidung kostenlos reparieren lassen konnten – egal welcher Marke.

Zappos: WOW im Kundenservice

Branche: Onlinehandel für Schuhe und Bekleidung

Website: www.zappos.com

Zappos kennt in Deutschland kaum einer. Das Unternehmen ist der größte US-amerikanische Online-Händler für Schuhe und Bekleidung, sozusagen das deutsche Zalando, und gehört seit einigen Jahren zu Amazon. Was wenige wissen: Zappos hat eine ganz besondere Unternehmenskultur, die sich im Umgang mit Mitarbeitern und Kunden ausdrückt. Toll beschrieben wurde das vom langjährigen CEO Tony Hsieh im Buch »Delivering Happiness«. So ist es etwa im hauseigenen Callcenter selbstverständlich, den Kunden quasi uneingeschränkt zu helfen – Legendär ist die Geschichte, als ein Kunde die Hotline anrief und fragte, wo er Pizza bestellen könnte – was der Mitarbeiter prompt für ihn erledigte. Versuchen Sie das mal bei Zalando!

Die Wertschätzung der Mitarbeiter drückt sich jährlich im »Culture Book« aus. In diesem Buch erzählen Mitarbeiter in eigenen Beiträgen, was für sie die Unternehmenskultur Zappos ausmacht. Die Beiträge werden unbearbeitet ins Culture Book aufgenommen. Mittlerweile teilt Zappos seine besondere Unternehmenskultur auch auf der Online-Plattform »Zappos Insights«, wo es die »Zappos 10 Core Values« vorstellt. Es gibt sogar Mentoren, die interessierten Unternehmern in Seminaren vermitteln, wie sie einen fantastischen Kundenservice nach dem Modell von Zappos in ihrem Unternehmen einführen können.

DM Drogeriemärkte: Kulturelle Bildung als Schlüssel zum Erfolg

Branche: Drogeriemärkte

Website:
www.dm.de

Na klar, die Drogeriemärkte von DM kennt in Deutschland jeder. Aber nicht jeder weiß, dass das Unternehmen schon lange auf Nachhaltigkeit setzt – und der Gründer Götz Werner einer der prominentesten Befürworter eines bedingungslosen Grundeinkommens ist. Übrigens schon lange, bevor das Thema im politischen Mainstream angekommen ist.

Kunst und Kultur spielen bei DM eine große Rolle. Ein Beispiel: Als Student beschäftigte ich mich im Rahmen eines Projekts mit dem Unternehmen. Was mir in Erinnerung blieb: In den Hallen von DM hingen große Kunstwerke an der Wand, damit die Mitarbeiter während ihrer durchaus eintönigen Arbeit etwas Schönes ansehen können. Ein kleiner Ausdruck der Wertschätzung für die Mitarbeiter, der einen großen Unterschied macht. Übrigens, die Berufsausbildung bei DM beinhaltet einen achttägigen Theaterworkshop. 2017 nahmen dabei mehr als 2200 Lehrlinge und Studenten an 119 Theaterworkshops teil.

Anders als bei vielen großen Handelskonzernen, beweist das Unternehmen an zahlreichen Stellen, dass es nicht nur um die Marge geht. So arbeitet DM aktiv daran, Emissionen und weitere negative Einflüsse auf die Umwelt zu verringern: mit emissionsfreien LKWsausgefeilter Klimatechnik in den Märkten und leichteren und robusteren Paletten aus Kunststoff.

Zum 40. Geburtstag des Unternehmens hat DM 2013 ein Buch herausgegeben, welches die besondere Unternehmenskultur illustriert: »ZEIT WERT GEBEN – Ein Inspirationsbuch mit 40 guten Gedanken« gestaltet vom Projekttriangle Design Studio und konzipiert unter anderem von Jan Teunen. Das Buch ist keine klassische Jubiläumsschrift, die man sich zu einem runden Jubiläum von einem solch großen Unternehmen vorstellt. Es ist viel mehr ein Dankeschön und damit ein Zeichen von Wertschätzung an die Mitarbeiter. Es ist zwar vergriffen, gebrauchte Exemplare sind aber online zu finden.

Mein Grundeinkommen: Menschen ermöglichen, ihr Ding zu machen

Branche: Grundeinkommen

Website:
www.mein-grundeinkommen.de

Talking about Grundeinkommen … Michael Bohmeyer von »Mein Grundeinkommen« wollte wissen, was passiert, wenn man Menschen ein bedingungsloses Grundeinkommen gibt. Das ist schließlich die meistdiskutierte Frage bei diesem Konzept: Wenn die Menschen nichts für ihr Einkommen tun müssen – legen sie sich dann auf die faule Haut? Oder machen sie endlich das, wofür sie berufen sind – und leisten damit einen sinnvollen Beitrag für die Gesellschaft?

Bohmeyer hatte sich selbst ein Grundeinkommen erwirtschaftet, da er aus einem mitgegründeten Onlineshop ausgestiegen war und weiterhin rund 1000 Euro Gewinnanteile erhielt – also etwa die Summe, die beim Grundeinkommen oft im Raum steht. Er wollte nicht auf die Politik warten, um das Konzept mit anderen Menschen zu testen, und gründete 2014 »Mein Grundeinkommen«. Dabei sammelte er so lange Spenden, bis 12.000 Euro zusammenkamen, um dem ersten Menschen ein Jahr lang 1000 Euro im Monat auszahlen zu können. Das Grundeinkommen wird auf der Website verlost und jeder kann teilnehmen. Klingt verrückt? War es auch. Mittlerweile zeigt sich, dass Mein Grundeinkommen gekommen ist, um zu bleiben. Seit 2014 wurden 190 Grundeinkommen verlost (Stand: 2.7.2018). Das sind über 2 Millionen Euro. Die Gewinner berichten auf der Website von ihren erstaunlichen Entwicklungen mit der Freiheit, das zu tun, was sie wirklich wollen.

Einhorn

Branche: Kondome

Website: einhorn.my

Einhorn verkauft vegane und fair produzierte Kondome. Die Einhörner nennen ihren Ansatz »fairstainable«, also eine Kombination aus »fair« und »sustainable« (nachhaltig). Das Team kommt super-locker daher und man spürt sofort, dass hier ein paar Dutzend begeisterte Menschen am Werk sind. Einhorn versteht Unternehmertum als eine Aufgabe, Verantwortung für die Gesellschaft zu tragen. So sieht man sich weniger als Unternehmen, denn als »Community« mit flachen Hierarchien, transparenten Umsätzen und gemeinsamen Entscheidungen über Urlaub und Gehälter.

Einhorn spendet 50 Prozent der Profite an soziale und nachhaltige Projekte. Alle an der Produktion der Einhorn-Kondome Beteiligten – Mitarbeiter, Lieferanten und auch die Umwelt – werden bei der Unternehmensführung berücksichtigt. Die »fairstainablen« Ziele von Einhorn reichen von fairen Löhnen für die Mitarbeiter, über die Verringerung des CO2-Fußabdrucks, bis hin zur Steigerung der Biodiversität auf den Plantagen, wo der Gummi für die Kondome angebaut wird.