Zwei Worte mit jeweils drei Buchstaben. »Ich« und »Wir«. Von der grammatikalischen Bedeutung sind sie sich gar nicht mal unähnlich, und doch verraten sie, wie jemand tickt. Wenn man ihm genau zuhört nämlich. Dem Ich-Nenner, der gern von sich erzählt, seine Aktionen in den Mittelpunkt stellt. Oder dem Wir-Menschen, dem die Gemeinschaft wichtiger ist, auch wenn es in einem Gespräch eigentlich um ihn gehen sollte. Ralph Hadem sagt nicht oft »Ich«. Die Fragen nach seiner Vita, ratzfatz sind sie abgehakt, die Antworten auf das nötigste beschränkt. Nicht, weil er nichts verraten will. Sondern weil es ihm nicht so wichtig ist. Das »Wir« ist es, worauf es ihm ankommt.

Ralph Hadem ist Gesellschafter der Colour Connection in Frankfurt, einer »digitalen Individualdruckerei«, die 1994 gegründet wurde. Er und seine Kollegen sind Experten für individuelle Printprodukte und arbeiten vor allem für Marketingabteilungen, Werbeagenturen und andere Druckereien. Auch für die MITARBEITERFIBEL bringt er großes Engagement auf und ist uns ein wichtiger Partner bei der Produktion.

Den Weg ins Druckgeschäft hat der Frankfurter schon vorher eingeschlagen, auch wenn das zunächst nicht absehbar war. Er stammt aus einem Gartenbaubetrieb, seine Familie hatte eine Gärtnerei. In der Schulzeit hat er mit angepackt, in den Ferien geholfen und schnell entschieden, dass das nichts für ihn ist. »Ich hab’ nie gesagt, dass ich gerne Gärtner geworden wäre«, sagt Ralph Hadem und lacht. Seine Kunden werden es ihm danken – es wäre schade gewesen um diesen kreativen Kopf der Druckbranche.

Irgendwann jedenfalls hat Ralph Hadem Abitur gemacht und ist dann zur Bundeswehr gegangen. Luftwaffe. Aber statt im Düsenjet saß er am Rechner, war im Programmierzentrum eingesetzt. Drei, vier Jahre lang. »Es war ganz nett, aber irgendwie auch öde«, sagt er rückblickend. Nicht das, was er sich für sein Leben vorstellte. Er wollte schon »was mit Computern« machen, »aber kreativer«.

1985 hat er sich seinen ersten Mac und einen Laserdrucker gekauft, Visitenkarten und Briefpapier für erste Kunden produziert – der Schritt in die Selbstständigkeit war getan. Zunächst alleine, aber schon zwei Jahre später kam seine damalige Lebenspartnerin dazu. »Seitdem sind wir immer wir.« Ein Satz, der seine Einstellung durchblicken lässt. Der Mann ist kein Einzelkämpfer, es geht ihm um das Miteinander. In der Geschäftsführung, im Team, mit den Kunden.

Mit Filmbelichtung hat er einst angefangen, damals, als die Druckereien selbst noch keine Möglichkeit hatten, die Filme zu entwickeln. Irgendwann aber waren die Filme überflüssig, es wurde direkt auf Platte belichtet. Was also tun? Ralph Hadem und sein Team entschieden sich gegen die Plattenbelichtung, setzten stattdessen auf den Digitaldruck, anfangs mit einer Rollenmaschine und relativ einfachen Mitteln, heute mit hochmoderner Technik.

Es lief gut, die Zahl der Kunden wuchs und damit die Zahl der Mitarbeiter. Etwa 20 sind es heute, was Hadem als angenehme Größe empfindet. Ein bisschen familiär noch, ein extra Management ist nicht nötig. Das Zusammengehörigkeitsgefühl in der Truppe ist hoch, das Teamgefühl ist dem Chef wichtig. Seine beiden Mitgesellschafterinnen sind Frauen und das findet er gut. Frauen, so sagt er, hätten ein feines Gespür dafür, wenn etwas schief läuft. Was allerdings sehr selten vorkomme, und das liegt an der Haltung, die im Team oberste Priorität hat: »Wir behandeln jeden so, wie wir selbst behandelt werden wollen.« Wertschätzung sei dabei ganz wichtig – für alle Mitglieder des Teams, für alle Aufgaben von der IT bis zur Verpackung. »Bei uns steht keiner in zweiter Reihe.«

Auf das Thema Mitarbeitermotivation angesprochen, winkt Ralph Hadem ab. Motivieren muss sich jeder selbst, findet er. Von außen lässt sich die Lust an der Arbeit nicht auferlegen. »Aber wir können ein Umfeld schaffen, das es den Mitarbeitern leichter macht, sich zu motivieren.« Eben jene Wertschätzung spielt dabei eine große Rolle. Stimmt das Umfeld, fühlen sich die Mitarbeiter wohl und davon profitiert auch die Firma, ist sich Ralph Hadem sicher. Bei Colour Connection tendiert die Fluktuation der Mitarbeiter gegen Null. 30 Prozent des Teams stammt aus dem eigenen Nachwuchs. Die Auszubildenden werden übernommen und wer erst mal zwei, drei Jahre da ist, der bleibt. Zeitverträge gibt es nicht. Eine Unsitte seien die, findet Ralph Hadem. »Wo sollen die Leute denn da Sicherheit herbekommen?«

Fairness, Sicherheit, Wertschätzung – diese Werte zählen nicht nur im Team, sondern auch beim Umgang mit dem Kunden. Das Unternehmen hat zahlreiche Stammkunden und das kommt nicht von ungefähr. Um im Preiskampf der Digitaldruckereien zu bestehen, hat Colour Connection eine Nische besetzt. »Wir sind keine Druckerei, sondern eher eine Agentur mit angeschlossener Produktion.« 70 Prozent der Kunden sind Grafikdesigner und Agenturen. Eine Symbiose, von der beide Seiten profitieren. Die Kunden haben eine Idee, Ralph Hadems Team setzt sie um. Ein Turbo sei da entstanden, sagt der Frankfurter, man befruchtet sich gegenseitig. Viele der Ideen und Umsetzungen stellt Hadem, ein begeisterter Blogger, auf der Homepage printweb.de vor – und inspiriert damit seinerseits die kreativen Köpfe der Kundschaft. »Die kommen dann zu uns und sagen: Wir hätten gerne auch sowas – nur anders.« Wieder lacht Ralph Hadem. Eine Herausforderung ist das oft, aber eine schöne. Eine, die ihm auch nach so vielen Jahren noch Spaß macht. Eine, die das ganze Team beflügelt. Gemeinsam wird nach der Lösung gesucht, die der Kunde will. »Die Kunden haben die Ideen, wir inspirieren sie weiter und zeigen, was machbar ist und produzieren es.« Auch in Auflage 1, wenn der Kunde sich nicht vorstellen kann, wie das Produkt tatsächlich aussieht. Und wenn sich eine Idee doch nicht umsetzen lässt? »Dann sind wir in der Pflicht, eine Lösung zu finden, die den Wünschen des Kunden entspricht.«

Dass Ralph Hadem im Laufe seiner Karriere doch einmal die falsche Abzweigung gewählt hat, erweist sich dabei als hilfreich. Vor vielen Jahren ist er eine Partnerschaft mit einer Agentur eingegangen. Im Nachhinein war diese Entscheidung nicht richtig. »Aber wir wurden in dieser Zeit drei Jahre auf gutes Design getrimmt.« Dieses gute Design zieht sich heute noch durch. Sichtbar nicht nur für die Kunden, sondern für jeden, der sich den Blog von Ralph Hadem anschaut. Er stellt die Ideen vor und von wem sie kommen, zeigt Bilder von der Umsetzung. Von der kleinen Visitenkarte über Broschüren, Falzflyer, Schachteln im Würfelformat, Hochzeitspapeterie und Heißfolienveredelung bis hin zu Formstanzungen, Büchern oder Großbildern und Ständern für Messen und Firmenpräsentationen. Über 1500 Ideen und kreative Projekte kann die Colour Connection vorweisen. Hadem zeigt aber auch, wie die Maschinen funktionieren, wie der Digitaldruck auf die Wellpappe kommt, wie Holz zur Visitenkarte wird, ein edles goldenes Design entsteht. Gedruckte Botschaften, hochwertig und individuell. Produkte, die man gerne in der Hand hat, gerne anschaut, gerne liest. Die nicht gleich im Papierkorb landen.

Zumal das mit dem Papierkorb beziehungsweise Mülleimer sowieso so eine Sache ist, die Ralph Hadem nicht gefällt. Nachhaltigkeit ist ihm wichtig, er achtet auf den Schutz der Natur, privat wie beruflich. Als Missionar sieht er sich nicht, aber in der Verantwortung, das zu tun, was in seinen Möglichkeiten liegt. »Wir achten darauf das zu tun, was wir können«, sagt er schlicht. Wenige Worte, hinter denen viel steht. 90 Prozent der Druckstoffe sind nachhaltig zertifiziert. Die Druckfarben sind frei von Lösemitteln und in wesentlichen Teilen lebensmittelecht und die Kunden haben die Möglichkeit, klimaneutral drucken zu lassen. Weil Colour Connection, so steht es in den Umweltleitlinien des Unternehmens, aktiv dazu beitragen will, dass wir nachfolgenden Generationen eine intakte Umwelt übergeben. Weil es das »Wir« ist, das zählt.